03. Jun 2013 07:06
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Kostenlose Telefonkonferenz

Telefonkonferenz Besprechungsraum
Telefonkonferenz Besprechungsraum

Telefonkonferenzen sind aus dem modernen Geschäftsleben nicht mehr weg zu denken und so sind sie bei vielen Unternehmen meist der Beginn eines Auftrags sowie der erste Kontakt mit dem vermeintlichen Kunden. Nahezu jeder Telekommunikationsanbieter hat solche Telefonkonferenzen in seinem Angebotsportfolio. Die Abrechnung findet meistens pro Raum und Monat oder minutengenau statt. Für Unternehmen können hier jedoch signifikante Kosten entstehen. Bei der Telekom geht es beispielsweise bei 0,14 € pro Minute und Teilnehmer los und endet  bei maximal 59,95 € im Monat (Stand bei Redaktionsschluss des Artikels). Für 5 Teilnehmer kostet also schon eine einstündige Telefonkonferenz satte 42,- €. Bei anderen Anbietern geht es auch mal etwas günstiger zu, aber insgesamt sind die Preise ungefähr auf diesem Niveau. Aus diesem Grunde möchte ich in diesem Artikel mal beschreiben, wie man mit der Open Source Telefonanlage Asterisk mehrere parallele Telefonkonferenz mit fast unbegrenzten Teilnehmern so gut wie kostenlos realisiert.

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Was man für eine kostenlose Telefonkonferenz braucht

Schauen wir uns zunächst einmal an, wie eigentlich so eine übliche Telefonkonferenz funktioniert. Hieraus leiten wir die Anforderungen an unser Telefonkonferenzsystem ab. In der einfachen Version erhält jeder Teilnehmer vorab eine Rufnummer sowie eine PIN, um in den Konferenzraum zu gelangen. Folgendes benötigen wir, um professionelle Telefonkonferenzen für mehrere Teilnehmer einzurichten.

  1. einen SIP Telefonanbieter wie z.B. Sipgate oder Localphone, die eine eingehende Festnetzrufnummer anbieten und es ermöglichen mehrere eingehende Telefonate gleichzeitig zu führen. Hier sollte man sich vorher über die unterschiedlichen Möglichkeiten erkundigen. Eingehende deutsche Festnetzrufnummern sind meisten kostenfrei oder für etwas unter einem Euro pro Monat erhältlich.

  2. einen Linux-Server auf dem man Asterisk installieren kann und der über mindestens 100 Kbit/s pro Teilnehmer in Upload und Download verfügt. Führen wir beispielsweise eine Konferenz mit etwa 15 Teilnehmern, dann fallen an Bandbreite etwa 1500 Kbit/s  bzw. 1,5 Mbit/s an. Das sollte die Internetleitung des Servers dann schon hergeben. Wer viele Konferenz durchführen möchte, der sollte über einen virtuellen Server mit 100 Mbit/s Anbindung und Inklusiv-Traffic bei einem größeren Internethoster nachdenken. 
Das klingt zwar erst einmal nicht nach kostenloser Telefonkonferenz, aber wenn man sich für das Sparmodell entscheidet und wie ich Asterisk auf dem Raspberry Pi mit seiner ohnehin schon existierenden Leitung betreibt, dann sind die zusätzlichen Kosten hierfür tatsächlich Null. Gebühren für eingehende Telefonanrufe trägt bei allen großen Anbietern immer der Anrufende, sodass hier keine minutenbasierte Abrechnung stattfindet. Zudem bietet Asterisk neben kostenlosen Telefkonferenz auch noch viele weitere Möglichkeiten im Telefoniebereich.
 
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Installation von Asterisk auf einem Linux-Server

Die Installation von Asterisk auf einem Linux Server gestaltet sich recht einfach, der komplizierte Teil ist eher die Konfiguration des Systems für die eigenen Zwecke. Wer vor hat Asterisk auf einem Windows Server zu installieren, dem sei hiermit davon eindringlich abgeraten, da die Windows Version von Asterisk länger nicht mehr gepflegt wurde und nicht sehr stabil ist.

In diesem Artikel werde ich mich primär mit der Konfiguration eines bestehenden Asterisk Systems für Telefonkonferenzen auseinander setzen. Die vollständige Installations und Basiskonfigurationsanleitung ist dennoch hier im Artikel Asterisk Telefonanlage verfügbar.
 

Konfiguration für kostenlose Telefonkonferenzen

Hat man Asterisk mit einem "trunk" (ein- und ausgehende externe Leitung) konfiguriert und kann eingehende Anrufe empfangen, dann kann man mit der Konfiguration der Konferenzräume auch beginnen. Asterisk bietet mehrere Module für Telefonkonferenzen an. Dazu gehört das schon länger existierende MeetMe sowie das seit Asterisk 1.8 existierende ConfBridge-Modul. Da MeetMe sehr umfangreich ist und auch durchaus einige Ressourcen im System benötigt, werde ich das Verfahren anhand des einfacher gestrickten ConfBridge-Moduls bzw. -Befehls beschreiben.
 
 
Obiges Beispiel geht davon aus, dass wir in der extensions.conf einen Kontext "from-sipgate" haben. Dieser greift dann, wenn eingehende Anrufe von Sipgate am System ankommen

Der "Answer" Befehl gibt an, dass das System diese immer sofort annimmt. Aufgrund von mir erfahrender Verzögerung bei Annahme von Telefonaten, wartet das System kurz 3 Sekunden und spielt dann mit dem "Background" Befehl die Ansage "menu" ab und springt bei Nummereingabe über die Telefontastatur (das ist das sog. DTMF) in den Kontext "servicemenu". Wenn nicht, wartet das System 10 Sekunden und beginnt dann wieder erneut von Vorne mit der "menu" Ansage.
 
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Wie man Mp3 Dateien in Asterisk-kompatible Ansagen konvertiert, habe ich im Artikel Asterisk Voicemail einmal zusammengefasst. Hier kann man ganz individuelle Ansagen aufnehmen und in das System einspielen. Insbesondere für Unternehmen ist das interessant, merkt der Anrufer doch, dass es sich um das ganz firmeneigene Telefonkonferenzsystem handelt und man nicht irgendein System "von der Stange" verwendet.
 
 
Der Kontext "servicemenu" (die Namen kann man gemäß Dokumentation frei wählen) bietet nun den Zugriff auf die einzelnen Telefonkonferenzräume an und führt auch eine PIN-Abfrage durch. Im Beispiel oben haben wir die Telefonkonferenzbrücken bzw. Räume 7 mit PIN 1234, 8 mit PIN 5678 und 9 mit PIN 9999. Der Befehl "Authenticate" steht nicht in Verbindung mit ConfBridge, sondern bietet systemweit PIN-Identifizierung an. Der nächstehende Befehl für die Nummer wird immer nur dann ausgeführt, wenn Authenticate erfolgreich war. Wir verbinden hier also den ConfBridge-Befehl mit vorgelagertem Authenticate-Befehl. Würde man Authenticate weglassen, könnte jeder ohne Identifizierung in die Konferenz einsteigen. Das klingt aus unserer Vorgabe heraus erstmal wenig sinnvoll, aber später werde ich nochmal darauf eingehen, warum es in Verbindung mit der Einladung von Teilnehmern sinnvoll sein kann.

Teilnehmer in die Telefonkonferenz einladen

Es gibt durchaus Situationen, da möchte man entweder noch einen Teilnehmer einladen oder die gewünschten Teilnehmer selbst anrufen und in die Konferenz schalten. Was auch immer die Beweggründe sind, mit den kostenlosen Telefonkonferenzen in Asterisk ist auch dieses möglich. Ganz so kostenlos ist das jedoch je nach SIP Anbieter nicht. Ausgehende Telefonate verursachen bei den meisten Anbietern Kosten, gleichwohl diese verglichen mit üblichen Festnetzkosten häufig bedeutend niedriger sind. Hier sollte man sich unbedingt die Kosten vorher vor Augen führen und bei seinem SIP Anbieter prüfen.
 
 
Das kurze und knappe Beispiel oben geht davon aus, dass wir einstellige Telefonkonferenzraumnummern haben. Die Menge und Zahlen sind frei wählbar in Asterisk. Der Einfachheit halber verwende ich hier nur Räume mit einer Zahl. Das Hinzufügen des Kontexts erlaubt es ohne PIN sofort in die Konferenz einzusteigen. Er ist jedoch mit keinem anderen Kontext verknüpft und so muss man Asterisk anweisen einen Teilnehmer anzurufen und in diesen Kontext zu steuern. Das sieht dann so aus:
 
 
Wer meine vormaligen Artikel gelesen hat, wird die Ähnlichkeit zu dem feststellen, was in Click to Call bereits zu lesen war. Tatsächlich ist der Vorgang nahezu identisch. Im Gegensatz zu Click to Call werden hier nicht zwei Teilnehmer mit einander verbunden sondern ein Teilnehmer mit der Konferenz verbunden. Da wir aus Asterisk heraus den Teilnehmer angerufen und in die Telefonkonferenz platziert haben - vielleicht sogar ohne sein direktes Wissen - macht es wenig Sinn den Angerufenen noch nach einer PIN zu fragen, die er wahrscheinlich dann ohnehin nicht kennt.

Liste der Teilnehmer und Entfernen von Teilnehmern

Wen man, aus welchem Beweggrund auch immer, einen Teilnehmer aus der Telefonkonferenz entfernen möchte dann schaut man mit folgendem Befehl erst einmal die Liste der Teilnehmer der Telefonkonferenz durch, um die Kanalidentifikation (Channel Identification) in Asterisk für die gegebene Rufnummer heraus zu finden.
 
 
Nachdem wir den Befehl "core show channels concise" eingegeben haben, erhalten wir eine kryptische Übersicht der Rufnummern und Kanäle. Es gibt auch noch den Befehl "core show channels verbose" oder nur "core show channels", der es etwas besser lesbar ausgibt. Ich habe jedoch festgestellt, dass dort die Kanalidentifikation abgeschnitten wird, wenn diese zu lang ist. Der "Concise" Paramter gibt diese immer vollständig an. Wir sehen hier, dass beide Rufnummern im Kontext "conference" sind, also eingeladen wurden. Zudem sehen wir die Rufnummern und dass sie aktuell den Befehl ConfBridge verwenden. Also korrekt in die Telefonkonferenz eingewählt und aktiv sind. Ganz am Ende sehen wir auch, wie lange sie dort schon sind. Mit nachfolgendem kurzen Kommando schmeißen wir jetzt die 0171 Rufnummer aus der Telefonkonferenz heraus.
 
 
Danach wird das Gespräch terminiert und der Teilnehmer auf dem Kanal bekommt das Aufgelegt- bzw. Besetzt-Zeichen welches er auch bei normalen Gesprächsabbrüchen hat. Die anderen Teilnehmer in der Telefonkonferenz können wie gewohnt weiter mit einander sprechen.

Zusammenfassung zu kostenlosen Telefonkonferenzen

Abschließend zusammen gefasst kann man sagen, dass kostenlose Telefonkonferenz mit ein paar Handgriffen schnell umgesetzt sind. Zudem läuft ein solches System, einmal aufgesetzt, eine halbe Ewigkeit. Lediglich kleinere Systemupdates, Backup und Wartung fallen an. Wer noch garkeinen Server oder Computer besitzt, der die Angelegenheit erledigen kann, der kann zu kleinerer Hardware wie einem Raspberry Pi oder einem Intel Atom-basierten Mini-Server greifen. Im Vergleich zu den Angeboten der großen Telekommunikationsanbieter steht das System vom Funktionsumfang in nichts nach. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass das Steuern von Asterisk über die Konsole doch sehr mühsam und für einfache Anwender nicht sehr geeignet ist. Mit Sicherheit werde ich hierfür demnächst mal eine kleine PHP Anwendung schreiben und auch sonst kann jeder sich dazu kleine Shell-Skripte programmieren, die die Steuerung der Telefonkonferenz etwas vereinfachen.

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