25. Aug 2016 09:08
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Linksys WRT1200AC mit OpenWrt

Linksys hatte schon vor einiger Zeit einen absoluten Mega-Router mit viel Speicher und Dual Core CPUs vorgestellt - den WRT1200AC. Da ich meinen WR1043ND von TP-Link mittlerweile an seine Belastungsgrenze gebracht hatte und mir auch der Speicher nicht mehr reichte, war ich gezwungen auf ein neues Gerät umzusteigen.

Linksys WRT1200AC mit OpenWRT am Netz angeschlossen

Der Linksys WRT1200AC wird eigentlich von Belkin gebaut. Als technische Plattform dient ein Marvell Armada 385 ARMv7 Dual-Core Prozessor mit 2x 1,3 Ghz CPU-Leistung. Das entspricht einem gehobenen Smartphone und ist ordentlich für ein Netzwerkgerät. 128 MB Flash-Speicher bieten ordentlich Platz für Software unter OpenWrt. Die Installation von Apache, MySQL und PHP ist hier z.B. genauso wenig ein Problem wie die Telefonanlage Asterisk. Der WLAN-Chipsatz ist ein Marvell 88W8864 und als Ethernet-Switch kommt ein Marvell 88E6176 zum Einsatz. Mit 512 MB RAM ist der WRT1200AC mehr als üppig mit Hauptspeicher ausgestattet. Jeweils einmal USB 2.0 und einmal USB 3.0 ermöglichen ein paar mehr Funktionen. WLAN auf 2.4 Ghz und 5 Ghz deckt alle Anfoderungen an einen modernen Router ab. Der Strom kommt über 12 V Wechselstrom mit 2.5 Ampere.

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Lieferumfang des WRT1200AC und Software

Der WRT1200AC kommt mit einem Ethernetkabel, welches komischerweise relativ dünn ist, den Antennen und natürlich dem Gerät. Das Netzteil will auch nicht unerwähnt bleiben. Man hat somit alles, was man für die Installation und Konfiguration des WRT1200AC benötigt. Sobald man das Gerät an den Strom anschließt und sich an einem LAN-Port verbindet, bekommt der Computer per DHCP eine IP-Adresse und man kann direkt auf die Admin-Oberfläche (Standardpasswort "admin" und Benutzername "admin") zugreifen. Gleichwohl ich durchaus offen für Neues bin, hat mir die Admin-Oberfläche auf Anhieb nicht gefallen.

WRT1200AC Admin-Oberfläche

Die Oberfläche ist modern gestaltet und bietet Zugriff auf ein paar Funktionen, die dort bereits enthalten sind. Ich würde gerne mehr zu den einzelnen Funktionen sagen, aber ich gehe meistens direkt zum Software-Update über und installiere OpenWrt. Das ist eigentlich auch das Ziel dieses Geräts, soll es doch ein würdiger Nachfolger für den legendären WRT54GL sein. Dieser war im Übrigen mein erster OpenWrt-Router und seitdem bin ich auch dabei und werde nie wieder Hersteller-Software auf meinem Router einsetzen.

Installation von OpenWRT auf dem Linksys WRT1200AC

Zur Installation von OpenWrt auf dem WRT1200AC kann man vorab sagen, dass diese sich ziemlich einfach gestaltet. Ich empfand eher das Heraussuchen der richtigen OpenWrt Firmware bzw. des richtigen Images als umständlich. Es haben sich mehrere Entwickler daran gemacht und verschiedene Images erstellt. Ich persönlich vertraue immer auf das Original-Image des OpenWrt Projekts. In meinem älteren Beitrag "OpenWrt auf TP-Link WR1043ND" habe ich ausführlich erläutert, wie man OpenWrt 10.03 installiert. Mittlerweile gibt es die Version 15.05 und da hat sich auch ein bisschen geändert. Grundsätzlich bleibt die Installation aber gleich. Ich möchte diesmal auch neben der Installation des OpenWrt Standard-Image darauf eingehen, wie man sein eigenes Image erzeugt und Pakete in das ROM laden kann. Das hat gegenüber dem Standard-Image den Vorteil, dass man ein wenig Speicher mehr nutzen kann. Man muss sich jedoch vorab überlegen, welche Software man nutzen möchte und aufpassen, dass man das ROM nicht überlädt. Das Gerät kann sonst schnell unbrauchbar werden.

Installation des OpenWrt 15.05 Standard-Image auf dem WRT1200AC

Für absolute Neulige und Einsteiger empfehle ich definitiv die Nutzung des Standard-Image. Einfach schon allein, damit man sich überhaupt mal mit dem Gerät und OpenWrt vertraut machen kann und auch einen positiven Ersteinstieg erlebt. Das jeweils aktuelle Image findet man unter "WRT1200AC Technical Data" auf OpenWrt.org im Wiki und dort in der Tabelle steht das "Firmware OpenWrt Install Image".

OpenWrt 15.05.1 Image für den Linksys WRT1200AC
https://downloads.openwrt.org/chaos_calmer/15.05.1/mvebu/generic/openwrt-15.05.1-mvebu-armada-385-linksys-caiman-squashfs-factory.img

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels sind auch schon neuere Versionen in der Entwicklung. Das OpenWrt Team habe ich über die letzten Jahre als sehr gewissenhaft wahrgenommen, was den Release neuer Versionen anging. Bisher konnte ich mich über Kinderkranktheiten nicht beschweren. Im Menü unter "Connectivity > Basic > Firmware Update" findet man die Möglichkeit manuell das Update einzuspielen.

WRT1200AC Firmware-Update

Man wählt unter "Manual" den Button "Choose File", anschließend sein heruntergeladenes OpenWrt Firmware Image aus und dann kann es auch schon los gehen. Es kann sein, dass das Gerät sich beschwert, da es sich hierbei nicht um eine Original-Firmware handelt, aber das können wir getrost ignorieren. 

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Erstellen eines eigenen OpenWrt Firmware-Image für den WRT1200AC

Wen man sich an bunten Benutzeroberflächen, die mit einer Maus zu bedienen sind, so wie ich stört, dann hat man bei OpenWrt zum Glück die Freiheit, dass man sich sein eigenes System erstellen kann. Wer das nicht möchte, kann gleich zum nächsten Punkt springen. Für ein eigenes Image benötigt man den sog. "Image Generator", der früher auch mal "Image Builder" hieß oder teilweise auch immer noch heißt. Für die Erstellung des eigenen Image ist zwingend ein 64 Bit Linux-System erforderlich. Wer das nicht zur Hand hat, kann unter VirtualBox ein Linux-System verwenden. Wir beginnen erst einmal damit den Image Builder herunterzuladen.

OpenWrt Image Builder für WRT1200AC
https://downloads.openwrt.org/chaos_calmer/15.05.1/mvebu/generic/OpenWrt-ImageBuilder-15.05.1-mvebu.Linux-x86_64.tar.bz2

Den Download unter Linux inkl. Erstellung eines Unterordners, auspacken und in das Verzeichnis wechseln, machen wir mit folgenden Befehlen.

Wer eigene, kompilierte Pakete hat und diese mitinstallieren möchte, kann im Ordner in der Datei "repositories.conf" diese eintragen (nur für absolute OpenWrt-Experten!). Alle Repositories von OpenWrt sind jedoch bereits in der Konfiguration mit drin. Bevor wir loslegen können, müssen auf unserem Linux noch die benötigten Pakete bzw. die benötigte Software installiert werden. Das machen wir mit folgenden Befehlen (einmal als Beispiel Ubuntu und einmal openSUSE).

Ich selbst habe festgestellt, dass man die nicht wirklich alle braucht. Vorallem Subversion und Git erschließen sich mir nicht, aber wir wollen hier alles der Korrektheit halber machen. Jetzt haben wir alles eingesammelt und können mit folgendem Befehl eine einfaches Image erstellen. Ein einfaches Image bedeutet: ohne LuCI (die grafische Oberfläche) oder jedweder Zusatzsoftware.

Für die Generierung muss der Name des Geräteprofils angegeben werden, damit der Generator weiß um welches Gerät der WRT-Familie es sich handelt. "Caiman" hat sich das OpenWrt Projekt für den WRT1200AC ausgedacht. Für die anderen Geräte muss man entsprechend einfach auf der Website nachschauen. Im Ordner "bin/mvebu" finden wir jetzt eine Datei mit folgendem Namen: openwrt-15.05.1-mvebu-armada-385-linksys-caiman-squashfs-factory.img.

Das ist unser erzeugtes Image und wir könnten es genauso auf den WRT1200AC installieren, wie wir das Standard-Image installieren. Wer also ein einfaches OpenWrt mit minimaler Ausstattung möchte, ist hier genau richtig. Möchte man jedoch Zusatzsoftware wie OpenVPN oder Ähnlichem installieren, so kann man beim Erzeugen noch einen zusätzlichen Parameter hinzufügen.

Durch den Parameter wird jetzt bestimmt, dass das Image auch OpenVPN (mit Easy-RSA), Bmon und Nmap als Software direkt mit an Bord im ROM haben soll. Die vollständige Liste der Pakete findet man hier:

Linksys WRT1200AC OpenWrt Packages
https://downloads.openwrt.org/chaos_calmer/15.05.1/mvebu/generic/packages/

Man muss aber darauf achten, dass das ROM nicht größer wird als der Speicher des Routers, was jetzt beim WRT1200AC mit seinen 128 MB nicht so sehr ein Problem ist wie das z.B. bei Routern mit kleinerem Speicher. Wer möchte kann mit dem Parameter "FILES" auch noch zusätzliche Dateien ins ROM legen (z.B. VPN Schlüssel oder so). Ich empfehle das aber nicht, weil man die Dateien nicht ändern kann und sie Speicher im ROM fressen.

Das fertige Image findet man anschließend wieder im Ordner "bin/mvebu". Wer Fehler beim Erzeugen hatte, kann auch mit "make clean" nochmal alles zurücksetzen. Installation des eigenen Images habe ich ja oben bereits erläutert. 

Konfiguration von OpenWrt auf dem Linksys WRT1200AC

Sobald der WRT1200AC mit dem OpenWrt Image gebootet hat, ist die erste Amtshandlung Verbinden mittels Telnet. Der Vollständigkeit halber funktioniert das so.

Anschließend begrüßt uns OpenWrt mit seinem Banner und wir haben über Telnet Zugriff auf die Konsole. Mit dem Befehl "passwd" setzen wir für den Benutzer "root" das Passwort. Durch das Setzen des Passworts wird Telnet deaktiviert und SSH aktiviert. Das ganze sieht dann wie folgt aus.

Schließen wir Telnet und verbinden uns per SSH mit dem Router. Linux-Nutzer wissen wie das geht ("ssh 192.168.1.1") und Windows-Nutzern empfehle ich die Verwendung von PuTTY, einem wirklich sehr schönen SSH-Client für Windows. Die Bearbeitung der Konfiguration kann man mit dem Editor "vi" (bereits installiert) durchführen. Windows-Nutzer oder Linux-Nutzer, die ausschließlich GUIs benutzen, kommen häufig mit "vi" und seiner Oberfläche nicht klar. Wer die Konfiguration entspannt unter Windows mit seinem Lieblingseditor (z.B. Notepad++) bearbeiten möchte, der kann die Konfigurationsdatei auch mit WinSCP herunterladen. Diesen Nutzern empfehle ich jedoch eventuell die Verwendung von LuCI, der grafischen Benutzeroberfläche.

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WLAN-Netzwerk des WRT1200AC konfigurieren

Da man bis hierher irgendwie nervig am Kabel mit dem WRT1200AC verbunden war, möchte man eventuell in eine komfortablere Position wechseln. Ich fange deshalb immer gleich mit der WLAN-Konfiguration an. Diese findet man in der Datei "/etc/config/wireless". Und sie sieht bei mir in etwa so aus.

Wir sehen jeweils zwei Interfaces ("wifi-iface") und zwei Geräte ("wifi-device"). Einmal für 2.4 Ghz und einmal für 5 Ghz. Mit dem Wert "channel" können wir den Kanal definieren auf dem gefunkt wird. Mit "ssi" die SSID bzw. den Namen der WLANs festlegen und mit "key" den WLAN-Schlüssel. Die Verschlüsselung ("encryption") steht bei mir auf "psk" (Pre-Shared Key). Mit folgendem Befehl starten wir das Netzwerk neu.

Wenn der WRT1200AC damit durch ist, können wir uns auch schon mit dem WLAN verbinden. Das Kabel können wir dan getrost abtrennen und uns über WLAN mit dem Router per SSH verbinden.

Konfiguration des Internetzugangs mit dem WRT1200AC

Ich gehe mal davon aus, dass die meisten ihr DSL- oder DOCSIS-Kabelmodem direkt an den WRT1200AC anschließen. Das habe ich auch getan. Bei Vodafone Kabel Deutschland muss man zudem im Kundenzentrum noch einen Bridge-Modus bestellen. Bei Unitymedia mit richtigem Modem oder bei DSL mit DSL-Modem entfällt das. Dort bekommen direkt seine öffentliche IPv4 Adresse. Die Konfiguration für den WAN und die LAN-Ports befindet sich in "/etc/config/network".

Am WAN-Port wird einfach nur DHCP verwendet, da wir die IP-Adresse mit der DHCP-Zuweisung durch das Modem vom Provider durchgeschleift bekommen. Das kann manchmal etwas dauern und es kann auch sein, dass man das Modem neustarten muss. Eventuell muss man auch mal den WRT1200AC neu starten (wir ziehen niemals den Stecker sondern benutzen den Befehl "reboot"). Danach haben wir einen funktionierenden WRT1200AC WLAN-Router mit Internetzugang und WLAN.

Restliche Konfiguration und Software-Installation

Man findet sämtliche Systemkonfigurationen in "/etc/config". So kann man z.B. in "/etc/config/system" auch den Namen des Systems ändern, wenn man möchte. Die Konfiguration von OpenVPN als Client habe ich in einem anderen Artikel einmal erläutert. Für die Installation neuer Pakete benutzt man das Programm opkg. Dieses sollte man immer mit der aktuellen Paketliste aktualisieren, bevor man neue Pakete installiert. Die Installation der Bandbreitenanalyse-Software "bmon" sieht dann z.B. wie folgt aus.

In Meiner Kategorie OpenWrt finden sich alle meine OpenWrt-Artikel und es werden auch noch weiter hinzu kommen. Man kann mich auch gerne per E-Mail oder über die Kommentarfunktion mit Fragen ausquetschen. Ich helfe immer gerne, wo ich kann. Wer sofortige Hilfe braucht, der erreicht am Besten im Kanal #openwrt auf irc.freenode.net das Support-Team und nette OpenWrt-Nutzer. Das Forum und die Hilfe auf openwrt.org sind aber auch ziemlich gut und mittlerweile sogar auf Deutsch.

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