18. Mar 2013 08:03
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WLAN im ICE

Deutsche Bahn ICE WLAN HotSpot
Deutsche Bahn ICE WLAN HotSpot

Wer häufig mit der Bahn, insbesondere mit dem ICE, fährt, der kennt den Hauptvorteil der Bahn gegenüber Verkehrsmitteln wie dem Auto oder dem Flugzeug. Denn der Bahn wird im Allgemeinen nachgesagt, dass man hier an Bord prima arbeiten kann. Dies auch dank des WLAN bzw. Hotspot Internetzugangs and Bord der ICE Züge. Das hört sich nach Leichtigkeit an und verspricht gelungene Geschäftstermine dank besserer Vorbereitung. Aber wie sieht es in der Realität wirklich aus? Ist das WLAN im ICE wirklich so unschlagbar gut? Damit möchte ich mich in diesem Beitrag einmal ausführlich befassen und vor allem berichten, wie der ICE HotSpot in der alltäglichen Anwendung im realen Leben so abschneidet.

In welchen ICE Zügen gibt es die WLAN Hotspots?

Als Bahnvielfahrer wird man feststellen, dass des Öfteren die Nachfrage nach dem Hotspot kommt, auch wenn dieser auf der gewünschten Strecke oder im gewünschten Zug garnicht angeboten wird. Insbesondere auf den Strecken Köln - Hamburg und Hamburg - Berlin kommt dies durchaus des Öfteren vor. Hier gibt es die Hotspots nicht, denn die ICE WLAN Hotspots sind nur auf den folgenden Strecken verfügbar:

  • Dortmund - Düsseldorf - Köln (auch über Hagen und Wuppertal)
  • Köln - Frankfurt Main Flughafen
  • Frankfurt Main - Suttgart - München
  • Frankfurt Main - Hannover - Hamburg Hbf
  • Frankfurt - Mannheim - Freiburg

Man kann also durchaus sagen, dass die WLAN Hotspots auf einigen prominenten Strecken verfügbar sind. Grundsätzlich ist das jedoch bei weitem nicht alles, was von der Bahn bedient wird.

ICE 26 ohne WLAN HotSpot
ICE 26 ohne WLAN HotSpot

Zudem ist es schwierig herauszufinden, ob der eigene Zug mit WLAN HotSpot ausgestattet ist oder nicht. z.B. ist ICE 26 von Frankfurt nach Köln nicht mit dem WLAN HotSpot ausgestattet, da er über Koblenz und Bonn Hbf fährt. Alle anderen Züge zwischen Frankfurt und Siegburg bzw. Köln Hbf sind jedoch mit dem WLAN Hotspot ausgestattet. Mal ganz davon abgesehen, dass der Osten mit seinen Wirtschaftsmetropolen wie Berlin, Leipzig und Dresden vollkommen ausgeschlossen ist. Hier herrscht großer Nachholbedarf, aber eine große Ausweitung des WLAN Angebots scheint es in naher Zukunft wohl nicht zu geben, auch aus technisch verständlichen Gründen.

WLAN im ICE je nach Wagen unterschiedlich verfügbar

Ich habe es zudem auch durchaus erlebt, dass je nach Wagen die Verbindungsqualität und allgemeine Verfügbarkeit sehr unterschiedlich sein kann. Grundsätzlich ist meine Erfahrung, dass man in der 1. Klasse sowie im Bordbistro und den Wagen mit WWW-Kennzeichnung guten Empfang hat.

Registrierung und Kosten des Telekom Hotspot WLAN im ICE

Der WLAN Hotspot ist von der Telekom, sodass es für Telekom-Kunden schon einmal von Vornherein bedeutend einfacher und günstiger ist den Hotspot-Service zu nutzen. Hierzu sendet man eine SMS an eine bestimmte Servicerufnummer und erhält dann anschließend umgehend seine Zugangsdaten per SMS. Diese muss man dann in der Login-Maske im Hotspot nur noch eingeben und kann zu dem gebuchten Tarif sofort lossurfen. Hier gibt es eine reichhaltige Fülle an unterschiedlichen Tarifen von der Telekom, bei denen WLAN Hotspots entweder bereits enthalten sind oder mit ca. 0,10€ pro Min. abgerechnet werden. Ich empfehle auf jeden Fall vorher mal nachzufragen bei der Telekom, ob Hotspots inklusive sind oder nicht. Auf einer 60 Min-Fahrt von Köln Hbf nach Frankfurt Flughafen sind das immerhin 6,- € und das ist nicht gerade wenig.

DB Lounge Frankfurt Flughafen WLAN HotSpot

Wer jedoch kein Telekomkunde ist hat nur die Auswahl zwischen drei Tarifen: 24 Stunden für 4,95€, 600 Min. innerhalb der nächsten 30 Tage für 19,95€ oder die nächsten 30 Tage komplett für 34,95€. Gemessen an der Qualität über die ich gleich noch sprechen werde, ist das ein sehr heftig ausfallender Preis der sich eigentlich für die erbrachte Leistung meiner Meinung nach nicht lohnt. Gleichwohl auch alle Telekom HotSpots an Flughäfen und in den DB Lounges darin enthalten sind.

Unterstützung unterschiedlicher WLAN-Geräte im ICE

Telekom HotSpot App Android
Telekom HotSpot App Android

Positiv anzumerken ist, dass es für den Hotspot im ICE eine iPhone und Android App gibt, er einwandfrei auf Tablets genutzt werden kann und sogar auf dem Blackberry gibt es eine dafür angepasste Anmelde-Maske. Bisher habe ich kein Gerät gefunden, auf dem der Hotspot nicht funktioniert hätte. Selbst auf dem Amazon Kindle ist er problemlos einsetzbar.

Die Funktionalität der Apps beschränkt sich im Grunde darauf, die Zugangsdaten zu speichern und, per GPS und WLAN, Hotspots in der Nähe des Telefons zu suchen. Mit den Hotspot-Tarifen lässt sich schließlich neben dem ICE auch eine Reihe weiterer Hotspots z.B. in den Bahn Lounges, an Flughäfen oder Hotels nutzen.

WLAN Hotspot Verfügbarkeit im ICE in der Realität

Wer täglich oder mehrmals wöchentlich mit WLAN-tauglichen ICEs fährt, der weiß um die Qualität dieses Dienstes und die ist nicht gerade besonders bemerkenswert. Man sollte sich nicht darauf verlassen und schon garnicht sollte man dringend auf die ICE WLANs angewiesen sein. Sie können jedoch eine gute Erweiterung sein, wenn man das Internet sonst z.B. über das Mobilfunknetz nutzt

Es ist jedoch häufig festzustellen, dass insbesondere wenn die Sitzplatzreservierungsanzeigen ausgefallen sind, häufig auch das WLAN gleich mit den Bach hinunter geht. Zusätzlich fallen einem ständig wiederkehrende kleinere Kinderkrankheiten auf. So kommt es durchaus des Öfteren vor, dass man sich nur sehr langsam oder garnicht anmelden kann. Das ist umso ärgerlicher, wenn man ein Minutenpaket gebucht hat, wovon ich dringend abrate! Ohnehin kann man bei der Solala-Verfügbarkeit des WLAN im ICE nur von einem netten Zusatzangebot sprechen.

Dennoch sieht man viele Menschen, die in den ICEs an ihren Notebooks hängen. Abgesehen davon, dass eine Großzahl der Leute bei näherer Betrachtung einfach Offline-Tätigkeiten ausführen wie z.B. Filme gucken, vor Powerpoint Präsentationen meditieren oder kilometerlange Word-Dokumente bestaunen. Von echtem Online-Arbeiten kann man da kaum reden und insbesondere wer glaubt, er könne von unterwegs eine Videokonferenz, Webinar oder gar die Fernwartung seiner Serverfarm betreiben, dem sei gesagt, dass das schlecht bis gar nicht funktioniert.

Qualität der Verbindung des ICE WLAN Hotspots im Alltag

Der Hotspot, der in den Zügen installiert ist, hat keine magischen Kräfte und nutzt wie jedes Mobiltelefon auch nur das Telekom-Mobilfunknetz und verstärkt das Signal ein wenig (mit einem sog. Repeater). Zusätzlich ist die Hardware vielleicht etwas mehr auf die hohe Geschwindigkeit ausgelegt. Nichts desto trotz stellt man gerade in Funklöchern und Tunneln genau die gleichen Verbindungsprobleme fest, wie man das auch mit dem Mobiltelefon erfährt.

Flughafen Fernbahnhof WLAN HotSpot
Flughafen Fernbahnhof WLAN HotSpot

Das Telefonieren auf offener Strecke und bei hohen Geschwindigkeiten stellt mit dem Mobiltelefon nicht nur im ICE ein Problem dar. Der sog. Handover von einem Funkmast zum Anderen ist einfach nicht mehr schnell genug bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h und der ICE macht auf der Strecke Frankfurt-Köln z.B. 300 bis 300 km/h. Da treffen die theoretischen Annahmen zu Verbindungsqualitäten häufig nicht mehr zu.

Vergleicht man den ICE WLAN Hotspot mit dem Telekom Mobilfunknetz direkt, dann wird man wenig Unterschiede feststellen. Im Einen oder Anderen Funkloch schneidet das WLAN besser ab, in Sachen Stabilität ist insbesondere ein Notebook mit integrierter Mobilfunkantenne bedeutend besser als das WLAN. Gleichzeitig hat der direkte Zugang zum Mobilfunknetz weniger Einbußen bei mehreren Nutzern als das WLAN, welches schnell an seine Grenzen stoßen kann.

WLAN im ICE: Praxistest Frankfurt Hbf nach Siegburg/Bonn

Ein gutes Beispiel ist der ICE 10, der von Frankfurt Hauptbahnhof jeden Wochentag um 18:29 über Frankfurt Flughafen Fernbahnhof direkt nach Siegburg/Bonn fährt. Er steht meistens auch schon ab 18:10 am Gleis, sodass man es sich dort in Ruhe gemütlich machen kann und auch einen Tisch findet - vielleicht sogar ein Abteil. Der Zug fährt sogar bis nach Brüssel und so ist er durchaus an Freitagen gut gefüllt.

Hat man nun sein Notebook ausgepackt und am Hotspot angemeldet, dann geht die Reise auch schon los. Es geht zuerst vom Hauptbahnhof zum Flughafen in Frankfurt. Auf der Strecke aus dem Hauptbahnhof heraus, die ja noch Innenstadt ist, ist die Verbindungsqualität auch recht gut. Sobald der Zug jedoch die Schwanheimer Brücke hinter sich lässt, wird es rasant schlechter. Zwischen Frankfurt Niederrad und Flughafen Fernbahnhof werden dann Hotspot und Telekom sowie Vodafone Mobilfunknetz fast vollständig unbrauchbar. Ab Frankfurt Stadion kann man dann die Leute dabei beobachten, wie sie entnervt auf ihre Mobiltelefone starren.

Erst bei der Einfahrt zum Frankfurter Flughafen werden Hotspot und Mobilfunknetz wieder brauchbar und benutzbar. Dass da aber bei Beginn der Fahrt mitten in einer der größten Metropolen Deutschlands das Netz weg ist, ist nicht nur peinlich für das Angebot Hotspot sondern auch ein Armutszeugnis für die Netzanbieter Telekom und Vodafone. Über die Anderen brauchen wir garnicht zu sprechen.

Zwischen Flughafen, Limburg Süd und Montabaur stellt sich das Trauerspiel dann weiter ein. Man darf hier nicht vergessen, dass der ICE mit Taunus und Westerwald und 300 km/h durch ohnehin schlecht abgedecktes Gebiet auch noch mit sehr hoher Geschwindigkeit fährt. Da weiß jeder Netzwektechniker, dass das nicht sonderlich gut gehen kann. So dümpelt man dann mit recht magerer Geschwindigkeit und ständig abbrechender Verbindung durch Taunus und Westerwald. An den Bahnhöfen gibt es indes keine Schwierigkeiten.

Die technischen Schwierigkeiten des WLAN ICE HotSpots

Wie die Uni Rostock beim Themenrundgang Mobilfunkstandards richtig erläutert, erreicht UMTS ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h nur noch eine Datenrate von 144 kbit/s. Dass in der Realität dann häufig bei 250 km/h grundsätzlich Feierabend ist, da auch der sog. Hanover öfter durchgeführt werden muss, kommt erschwerend noch dazu. Man kennt das Problem auch aus dem Auto, jedoch nicht aus dem Flugzeug. Das Auto hat auf der Autobahn grundsätzlich mit Mobiltelefonen das gleiche Problem wie die Bahn.

Flugzeuge jedoch nicht, da diese zu hoch fliegen um noch eine Verbindung zum, zur Erde ausgerichteten, Mobilfunknetzwerk aufbauen zu können. Diese verwenden Satellitenkommunikation und diese hat auch bei Geschwindigkeiten von 850 km/h keine Probleme eine stabile Verbindung aufzubauen. Zugleich sind dem Flugzeug keine Berge auf dem Weg zum Satelliten im Weg. Die Bahn und das Auto haben jedoch noch das Problem der Reflektion des Geländes im Mobilfunk zu bewältigen.

Die Lösung der Probleme ist einfach, aber elend teuer und die Deutsche Bahn sowie die Deutsche Telekom sind sich dessen mit Sicherheit auch bewusst: die gesamten Strecken müssen noch engmaschiger mit Mobilfunkstationen ausgestattet werden. Insbesondere die Tunnel sind absolute Verbindungsblocker. Jeder, der einmal mit dem ICE außerplanmäßig im Tunnel festgesteckt hat, weiß dass es dort keinen Empfang gibt. 

Fazit zum WLAN im ICE

DB Lounge Flughafen Frankfurt
DB Lounge Flughafen Frankfurt

Die Idee im Zug einen WLAN HotSpot anzubieten und somit allen Gästen den mobilen Internetzugang anzubieten ist eine wirklich tolle Erfindung, bedauerlicherweise ihrer Zeit scheinbar etwas voraus, scheitert doch die Qualität am mäßigen Netzausbau des Mobilfunks in ländlichen Gebieten. Es gibt nur eine richtige Lösung: Netzausbau des Mobilfunks auf der Bahnstrecke. Das ist jedoch weder für Telekom noch ihre Konkurrenten auch nur ansatzweise lukrativ. Ohnehin würde es ja nicht beim Westerwald und dem Taunus bleiben. Die Abdeckung der Strecke von Hamburg nach Berlin wäre eine Mammutaufgabe. Die Strecke von Köln nach Hamburg kann bei der geringen Geschwindigkeit im Ruhrgebiet ohnehin schon mit sehr guter mobilen Internet aufwarten. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Einführung eines Hotspots ist hier durchaus gegeben. Enden würde auf Köln-Hamburg die Freude ohnehin kurz nach Bremen, da hier wieder besagtes ländliches Gebiet vorzufinden ist.

Die schlechte Netzqualität ist mitnichten ein Problem der Deutschen Bahn. Anerkennend muss man jedoch eingestehen, dass die Bahn und die Deutsche Telekom dennoch ein passables Produkt auf die Beine gestellt haben. Der Hotspot im ICE ist ein gutes Zusatzangebot, verbindet er doch den Zugang zu Hotspots in den DB Lounges, an Flughäfen und anderen Orten. Das Gesamtbild Telekom HotSpot stimmt und auch durch die Einführung in den DB Lounges macht das Produkt Sinn, denn insbesondere in den Lounges ist die Qualität der Hotspots hervorragend und gepaart mit den Arbeitsplätzen eine wirklich gute Möglichkeit noch ein paar Dinge zu erledigen, die man im Büro hat liegen lassen.

Vielfahrern und Bahncard-Besitzern kann man einen Telekom-Mobilfunkanschluss mit inkludierter Hotspot- und Mobilfunkdatennutzung nur ans Herz legen. Auf der Strecke Frankfurt-Siegburg fiel zudem auf, dass die Telekom Netzabdeckung besser zu sein scheint als jene von Vodafone. Den Hotspot im ICE oder in den Lounges separat zu buchen macht aufgrund der horrenden Preise jedoch keinen Sinn oder sollte nur verwendet werden, wenn es gerade bitter notwendig ist.

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